Geheime Notizen

«Was machst du da?»
«Ich schreibe.»
«Was schreibst du?»
«Sag ich nicht.»
«Wieso nicht?»
«Weil es dann ja gesagt wäre, dann müsste ich es nicht mehr schreiben.»
«Doch, dann könnte ich es nachlesen, wenn ich es vergessen hätte.»
«Es ist aber nicht für dich bestimmt, nur für mich.»
«Wieso schreibst du es dann auf? Du könntest es auch nur denken.»
«Dann könnte ich es vergessen, das will ich nicht.»
«Ist es so wichtig?»
«Für mich im Moment schon.»
«Dann ist es für mich auch wichtig.»
«Ich zeige es dir aber nicht.»
«Bist du kitzlig? Dann kitzle ich dich so lange, bis du es zeigst.»
«Ich bin so kitzlig wie ein Kürbis.»
«Kürbisse sind nicht kitzlig. Wobei ich noch nie versucht habe, einen zu kitzeln.»
«Dann solltest du es bei mir auch nicht probieren.»

«Du warst ja doch kitzlig.»
«Gib mir das sofort zurück.»
«Nein, das lese ich nun.»
«Was muss ich tun, dass du es nicht liest?»
«Du kannst nichts tun, ich will das nun lesen.»
«Bist du kitzlig?»
«Nein.»
«Nicht mal wie ein Kürbis?»
«Nein, der war ja offensichtlich kitzlig.»
«Und wenn du es gelesen hast?»
«Dann weiss ich, was dir wichtig ist.»
«Wieso willst du das wissen?»
«Weil ich dich mag. Ich will dich verstehen.»
«Oh…»
«Das kann man ja gar nicht lesen, das ist ja nicht geschrieben, das ist gekrakelt.»
«Ja, so geht es mir auch immer.»
«Wieso schreibst du es dann doch auf?»
«Weil ich mich dadurch selber besser verstehe.»

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Geschichte für die ABC-Etüden – Die Wörter für die Textwochen 44/45 des Schreibjahres 2021 stiftete Christian mit seinem Blog wortverdreher. Sie lauten:

Kürbis, kitzlig, krakeln. Die Regeln: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.

Einladung bei Christiane: HIER